Archiv der Kategorie: Frankreich

Berlinale 2012

Die Filme der 62. Filmfestspiele im Überblick:

„Les adieux à la reine“ (Frankreich / Spanien) von Benoît Jacquot mit Diane Kruger u.a.

„Aujourd’hui“ (Frankreich / Senegal) von Alain Gomis mit Saul Williams

„Extremely loud and incredibly close“ (Vereinigte Staaten; a. K.) von Stephen Daldry mit Max von Sydow, Tom Hanks

„À moi seule“ von Frédéric Videau mit Agathe Bonitzer

„Cesare deve morire“ (Italien) von Paolo und Vittorio Taviani

„Barbara“ (Deutschland) von Christian Petzold mit Nina Hoss, Jasna Fritzi Bauer, u.a.

„Dictado“ (Spanien) von Antonio Chavarrías

„Captive“ (Frankreich / Philippinen / Deutschland / Großbritannien) von Brillante Mendoza

„Metéora“ (Griechenland / Deutschland) von Spiros Stathoulopoulos

„Shadow Dancer“ (Großbritannien / Irland; außer Konkurrenz) von James Marsh

„L’enfant d’en haut“ (Schweiz / Frankreich) von Ursula Meier

„Jayne Mansfield’s Car“ (Russland / Vereinigte Staaten) von Billy Bob Thornton

„Jin Líng Shi San Chai“ (China; außer Konkurrenz) von Zhang Yimou mit Christian Bale u.a.

„Was bleibt“ (Deutschland) von Hans-Christian Schmid mit Lars Eidinger, Corinna Harfouch u.a.

„Tabu“ (Portugal / Deutschland / Brasilien) von Miguel Gomes

„Kebun Binatang“ (Indonesien/Deutschland / Hongkong) von Edwin

„Bai Lu Yuan“ (China) von Wang Quan’an

„Csak a szél“ (Ungarn / Deutschland / Frankreich) von Bence Fliegauf

„Gnade“ (Deutschland / Norwegen) von Matthias Glasner mit Jürgen Vogel, Birgit Minichmayr

„En kongelig affære“ (Dänemark / Tschechische Republik / Deutschland / Schweden) von Nikolaj Arcel mit Mads Mikkelsen u.a.

–  „Rebelle“ (Kanada) von Kim Nguyen

„Bel Ami“ (Großbitannen / Frankreich / Italien; außer Konkurrenz) von Declan Donnellan und Nick Ormerod mit Robert Pattinson, Uma Thurman u.a.

„Flying Swords of Dragon Gate“ (Hongkong / China; außer Konkurrenz) von Tsui Hark

Ziemlich beste Freunde

IM KINO:
Eine Komödie, in deren Mittelpunkt die Freundschaft zweier ungleicher Männer steht: „Ziemlich beste Freunde- Les Intouchables“
Ein Überraschungserfolg des – noch jungen – Jahres aus Frankreich.

Driss (Omar Sy) ist ein Sozialhilfeempfänger, der sich eigentlich nur ein paar Absagen bei Bewerbungsgesprächen einholen will. Er braucht drei gescheiterte Vorstellungsgespräche, um in den Genuss des Arbeitslosengeldes zu kommen- mehr nicht. Für den, ab dem Kopf gelähmten, reichen Philippe (Francois Cluzet), auf dessen Pflegestelle sich Driss pro Forma bewirbt, empfindet er kein besonders großes Mitleid.
Und genau das ist es, was Philippe braucht. Kein Mitleid. Driss wird engagiert.

Die beiden sind die jeweiligen Gegenstücke des anderen- Philippe ist reich, Driss ist in der armseligen Vorstadt zu Hause. Philippe ist weiß und liebt die Klassik, Driss ist schwarz und steht auf Kool and the Gang. Beide haben unterschiedliche Arten, ihre Probleme zu lösen- während Philippe im Privatjet dem Sonnenuntergang entgegenfliegt, um Abstand zu bekommen, zieht Driss lieber einen Joint in der Abendsonne durch.
Letztendlich lernen sie voneinander und werden sehr gute Freunde.
Driss darf herrlich politisch unkorrekt mit dem behinderten Philippe umgehen, es gibt viele lustige Momente, wie der, als er seinem „Patienten“ beim Rasieren einen Hitlerbart stehenlässt und der sich nicht dagegen wehren kann.
Driss findet sein Herz und sein Interesse für Kunst, während Philippe die wohltuende Kraft eines Joints entdeckt und durch die unbeschwerte Art seines jungen Pflegers neuen Lebensmut findet.

Die Darsteller Omar Sy und Francois Cluzet überzeugen, ohne groß auf den Tränendrüsen der Zuschauer herumzutrampeln.
Eine schöne Komödie, die sich traut, spielerisch und leicht mit sozialen Unterschieden, Hautfarben und Lebensphilosophien umzugehen.

Gleich zwei Regisseure – Olivier Nakache und Éric Toledano – führten Regie und brachten bereits 2004 einen Dokumentarfilm über die wahre Geschichte, die Philippe Pozzo di Borgo im Jahr 2001 als autobiographisches Buch
„Le Second Souffle“ herausbrachte.
Philippe machte es bei den Regisseuren Nakache und Toledano zur Bedingung, eine Komödie aus dem Stoff zu machen.

UPDATE 14.11.2012:
Ein US-Remake von „Ziemlich beste Freunde“ mit Collin Firth und Chris Tucker ist in Planung…

„Ziemlich beste Freunde“ (Le Intouchables), Frankreich 2011 / Regie:  Olivier Nakache, Éric Toledano mit Francois Cluzet, Omar Sy u.a.
Ziemlich beste Freunde auf IMDB
           Filmhomepage (orig. franz.)

Der Gott des Gemetzels

Jetzt neu im Kino: Ein Roman Polanski Film nach einem Kammerspiel von Yasmina Reza, der uns zeigt, dass Theater und Film doch zusammenpassen. PHANTOM RATING 8/10

„Nach einem Streit schlug der der elfjährige Zachary Cowen, bewaffnet mit einem Stock… .“ – „Bewaffnet?!“

der gott des gemetzels

Bild: Constantin Film

Alan (Christoph Waltz) und Nancy Cowan (Kate Winslet), die Eltern des stockbewaffneten Zachary, der seinem Spielkameraden Ethan bei besagter kindlichen Auseinandersetzung zwei Zähne ausschlug, treffen sich mit Michael (John C. Reilly) und Penelope Longstreet (Jodie Foster), den Eltern des Opfers, um im offenen Gespräch eine zivilisierte und intelligente Lösung zu finden. Man findet sich gegenseitig „nett“ und kommt schnell zu einer Einigung. Als die Cowans die Wohnung der Opfereltern, den Longstreets eigentlich gerade wieder verlassen wollen, lassen sie sich beim Gehen doch noch zu einem Kaffee überreden und kommen sehr schnell wieder zum Streitthema zurück. Hier zeigt sich, wie dünn die Decke der Zivilisation doch ist, denn die Gemüter erhitzen sich immer weiter an Kleinigkeiten. Ständig werden die Fronten gewechselt, beleidigt, die Kräfteverhältnisse neu verteilt, beider Parteien Ehen analysiert und als Alkohol ins Spiel kommt und Alan immer wieder wegen geschäftlicher Anrufe unterbrochen wird- droht die Situation vollkommen zu entgleiten…
Jodie Foster hält den Part der weltverbessernden Übermutter, bei der ein Alkoholproblem vorhanden scheint- ihr gegenüber steht Christoph Waltz, der den rationalen und herzlosen Pharma-Unternehmer als Gegenentwurf setzt.
John C. Reilly ist der „kleine Mann“ – ein Metallwarenhändler, der Angst vor Nagern hat und sich nun mit der fragilen Investmentbankerin – gespielt von Kate Winslet – auseinandersetzen muss.

Der Roman Polanski Film ist eine Adaption des gleichnamigen Kammerspiels der französischen Dramatikern Yasmina Reza, welches im Dezember 2006 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt wurde und bald zu den erfolgreichsten Theaterstücken der letzten Jahrzehnte gehörte.
Produziert wurde der Film von den deutschen Constantin-Produzenten Martin Moszkowicz und Oliver Berben.

Polanski drehte seinen Film, welcher eigentlich in Brooklyn spielt, allerdings in Paris, da er in den USA immer noch per Haftbefehl gesucht wird.

Der Film lief im Wettbewerb der Filmfestspiele in Venedig.
Er ist weiterhin gleich drei Mal für den Golden Globe nominiert.
Einmal in der Kategorie „Bester Film, Comedy“ und zweimal in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ für Jodie Foster  u n d   Kate Winslet.

Jodie Foster ………………. Penelope Longstreet

Kate Winslet ……………………….. Nancy Cowan

Christoph Waltz ……………………… Alan Cowan

John C. Reilly ………………. Michael Longstreet

Elvis Polanski ……………………………… Zachary

Eliot Berger …………………………………… Ethan

Joseph Rezwin …………… Walter (Sprechrolle)

Nathan Rippy ……………. Dennis (Sprechrolle)

Tanya Lopert ……………. Mother (Sprechrolle)

Julie Adams …………… Secretary (Sprechrolle)

„Der Gott des Gemetzels“ (OT:“Carnage“), F,D,PL 2011 Constantin Film Production, SBS Productions; Buch: Yasmina Reza; Regie: Roman Polanski; Mit: Christoph Waltz, Jodie Foster, Kate Winslet, John C. Reilly…