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Der Gott des Gemetzels

Jetzt neu im Kino: Ein Roman Polanski Film nach einem Kammerspiel von Yasmina Reza, der uns zeigt, dass Theater und Film doch zusammenpassen. PHANTOM RATING 8/10

„Nach einem Streit schlug der der elfjährige Zachary Cowen, bewaffnet mit einem Stock… .“ – „Bewaffnet?!“

der gott des gemetzels

Bild: Constantin Film

Alan (Christoph Waltz) und Nancy Cowan (Kate Winslet), die Eltern des stockbewaffneten Zachary, der seinem Spielkameraden Ethan bei besagter kindlichen Auseinandersetzung zwei Zähne ausschlug, treffen sich mit Michael (John C. Reilly) und Penelope Longstreet (Jodie Foster), den Eltern des Opfers, um im offenen Gespräch eine zivilisierte und intelligente Lösung zu finden. Man findet sich gegenseitig „nett“ und kommt schnell zu einer Einigung. Als die Cowans die Wohnung der Opfereltern, den Longstreets eigentlich gerade wieder verlassen wollen, lassen sie sich beim Gehen doch noch zu einem Kaffee überreden und kommen sehr schnell wieder zum Streitthema zurück. Hier zeigt sich, wie dünn die Decke der Zivilisation doch ist, denn die Gemüter erhitzen sich immer weiter an Kleinigkeiten. Ständig werden die Fronten gewechselt, beleidigt, die Kräfteverhältnisse neu verteilt, beider Parteien Ehen analysiert und als Alkohol ins Spiel kommt und Alan immer wieder wegen geschäftlicher Anrufe unterbrochen wird- droht die Situation vollkommen zu entgleiten…
Jodie Foster hält den Part der weltverbessernden Übermutter, bei der ein Alkoholproblem vorhanden scheint- ihr gegenüber steht Christoph Waltz, der den rationalen und herzlosen Pharma-Unternehmer als Gegenentwurf setzt.
John C. Reilly ist der „kleine Mann“ – ein Metallwarenhändler, der Angst vor Nagern hat und sich nun mit der fragilen Investmentbankerin – gespielt von Kate Winslet – auseinandersetzen muss.

Der Roman Polanski Film ist eine Adaption des gleichnamigen Kammerspiels der französischen Dramatikern Yasmina Reza, welches im Dezember 2006 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt wurde und bald zu den erfolgreichsten Theaterstücken der letzten Jahrzehnte gehörte.
Produziert wurde der Film von den deutschen Constantin-Produzenten Martin Moszkowicz und Oliver Berben.

Polanski drehte seinen Film, welcher eigentlich in Brooklyn spielt, allerdings in Paris, da er in den USA immer noch per Haftbefehl gesucht wird.

Der Film lief im Wettbewerb der Filmfestspiele in Venedig.
Er ist weiterhin gleich drei Mal für den Golden Globe nominiert.
Einmal in der Kategorie „Bester Film, Comedy“ und zweimal in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ für Jodie Foster  u n d   Kate Winslet.

Jodie Foster ………………. Penelope Longstreet

Kate Winslet ……………………….. Nancy Cowan

Christoph Waltz ……………………… Alan Cowan

John C. Reilly ………………. Michael Longstreet

Elvis Polanski ……………………………… Zachary

Eliot Berger …………………………………… Ethan

Joseph Rezwin …………… Walter (Sprechrolle)

Nathan Rippy ……………. Dennis (Sprechrolle)

Tanya Lopert ……………. Mother (Sprechrolle)

Julie Adams …………… Secretary (Sprechrolle)

„Der Gott des Gemetzels“ (OT:“Carnage“), F,D,PL 2011 Constantin Film Production, SBS Productions; Buch: Yasmina Reza; Regie: Roman Polanski; Mit: Christoph Waltz, Jodie Foster, Kate Winslet, John C. Reilly…

Maja Beckmann

maja beckmann - schauspielerin, actress

Maja Beckmann (*1977), Schauspielerin / Theater: Schauspielhaus Bochum Fernsehen: "Stromberg" / Kino: "Eine Insel namens Udo" (2011)

Maja wurde geboren. Und zwar 1977 in Herne und dort wuchs sie auch auf- zusammen mit ihren vier Geschwistern. Sie besuchte die Hibernia-Waldorfschule, eurythmietisierte und schaute nie Fernsehen. Das half alles nichts. Einige ihrer ersten Rollen spielte sie im Wittener Kinder- und Jugendtheater. Hier war sie in Knallern wie: „Guten Tag, kleines Schweinchen!“, „Kikerikiste“ und „Die Schneekönigin“ zu sehen. Als sie 2002 als Elevin im Schauspielhaus Bochum anfing, ging es Schlag auf Schlag. Es folgten zahlreiche Produktionen von Klassikern bis modernen Stücken. 2004 wurde sie in der Pro 7- Serie „Stromberg“ neben Christoph Maria Herbst einem breiterem Publikum bekannt. Also, das Publikum war nicht breit, sondern umfangreich. Also doch breit. Es folgten weitere Fernsehrollen, wie in „Dr. Psycho“ mit Christian Ulmen im Jahr 2007. Doch auch das Kino entdeckte Maja Beckmann für sich. In ihrem Leinwanddebüt „Die Österreichische Methode“ spielte sie 2006 die Hauptrolle der Julia. Sie erhielt 2010 den Bochumer Theaterpreis und den Tana Schanzara Preis. 2011 war sie im Kinofilm „Eine Insel namens Udo“ mit Kurt Krömer ebenfalls mit von der Partie.  Da ihre Theaterleidenschaft nach wie vor ungebrochen ist, sieht man sie derzeit neben zahlreichen Stücken im Schauspielhaus Bochum auch in ihrem eigenen Projekt „Spielkinder“ das sie zusammen mit ihren Geschwistern Lina, Till und Nils Beckmann in Bochum auf die Beine gestellt hat.

Film und Fernsehen

  • 2000: Blind Date, mit Fitz van Thom
  • 2004–2011: Stromberg (Fernsehserie)
  • 2006: Die Österreichische Methode (Kinofilm)
  • 2007: Dr. Psycho – Die Bösen, die Bullen, meine Frau und ich (TV)
  • 2008: Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen (Fernsehfilm)
  • 2009: Wilsberg (Krimiserie)
  • 2011: Eine Insel namens Udo (Kinofilm)
  • 2011: shopping tour

Theater

  • 2001: Peterchens Mondfahrt, Rolle: Anneliese, R: A. Raffalt
  • 2002: Die Schaukel, Dvori -Hauptrolle, R: Annette Raffalt
  • 2002: Ronja Räubertochter, Rolle: Rumpelwicht, R: Annette Raffalt
  • 2003: Das Dschungelbuch (Rudyard Kipling), Regie: Annette Raffalt
  • 2003: Electronic City (Falk Richter), Regie: Matthias Hartmann
  • 2003: Titanic – Schöne Menschen spielen große Gefühle, R: C. Stolz
  • 2004: Bluthochzeit, Hosenrolle, Regie: Jürgen Kruse
  • 2004: 1/2 2 – pretty ways to leave your lover, R: M. Fendrich
  • 2004: Lulu (F.Wedekind/ M. von Uslar), R: Christiane Paulhofer
  • 2004: Ein Flanellnachthemd, R: Marlin de Haan
  • 2004: Der Nussknacker , Regie: A. Raffalt
  • 2005: Weit von hier, R: Annette Pullen
  • 2005: Das Käthchen von Heilbronn, Rolle: Rosalie, R: S. Rottkamp
  • 2005: Die Stunde, da wir nichts voneinander wußten, R: E. Goerden
  • 2005: Sanft und grausam , Rolle: Nicola, R: Wilfried Minks
  • 2006: Dantons Tod, R: Thomas Thieme
  • 2006: Fasten Seat Belts, R: Anna, R: Christian Tschirner
  • 2006: Afterdark , R: Benjamin Walther
  • 2006: Doña Rosita oder Die Sprache der Blumen, R: Armin Holz
  • 2007: Floh im Ohr, R: Antoinette, Regie: Dieter Giesing
  • 2007: Gretchen 89 ff., Rolle: Gretchen, Regie: Hans Dreher
  • 2007: Platonow, Rolle: Alexandra Iwanowna, Regie: Jorinde Dröse
  • 2007: Der Alptraum vom Glück, Regie: Elmar Goerden
  • 2007: Wie es euch gefällt, Rolle: Phoebe, Regie: Elmar Goerden
  • 2008: Das Sissi-Syndrom, R: Romy Schneider, R: Katrin Lindner
  • 2008: Einer flog übers Kuckucksnest, Schwester Flinn, R: J. Dröse
  • 2008: I hired a contract killer, R: Margaret, R: Jorinde Dröse
  • 2009: Menschen im Hotel, Regie: Anna Bergmann
  • 2009: Forelle Stanley, R: Christian Hockenbrink
  • 2009: Fahrstuhl zum Bankrott, Regie: Bettina Bruinier
  • 2009: Alice, Regie: Anna Bergmann
  • 2009: Sieben Türen (Botho Strauß), Regie: Elmar Goerden
  • 2010: Herr Puntila und sein Knecht Matti, Eva Puntila, R: A. Lenk
  • 2011: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui, R: Ulrich Greb
  • 2011: Die Ratten, Regie: David Bösch
  • 2011: Die Dreigroschenoper, Regie: Christoph Frick
  • 2012: Kleiner Mann- was nun?, Regie David Bösch

Maja Beckmann, Schauspielerin; Quellen: IMDB, Schauspielhaus Bochum, Spielkinder, Helge Fedder

Jan Neumann: „Goldfischen“ in Frankfurt – Regie: Fitz van Thom

Regisseur Fitz van Thom steht mit seinen Schauspielern Anja Kimmelmann, Jonathan Artan Doyle und Christoph Stein auf der Bühne und nimmt den verdienten Premierenapplaus entgegen. In seinem Arm, in eine Kapuzenjacke eingewickelt, sein zehn Monate alter Sohn, der einfach nicht schlafen wollte. Van Thom hatte Kinderdienst, schaute sich seine Premiere nicht an und versuchte stattdessen in einem Wohnmobil, welches direkt am Bühnenausgang stand, seinen jüngeren Sohn Anton zum Einschlafen zu bringen.
Der Schlussapplaus kam, Anton war wach, also musste er mit.

Das Stück „Goldfischen“ in dem sich ein Schmarotzerpärchen bei Nick einnistet, um ihn vom Lernen für die Abschlussprüfung abzuhalten, schrieb der Autor Jan Neumann.

Jonathan Doyle, Christoph Stein und Anja Kimmelmann

Unter der Regie von Fitz van Thom spielen: Jonathan Doyle, Christoph Stein und Anja Kimmelmann

Als dem Zuschauer auffällt, das im Fernseher auf der Bühne, der Kriegsfilme, Horrorfilme, Werbung und MTV zeigt, immer wieder die Darsteller des Stücks auftauchen, weiß er, das Fitz van Thom Theater u n d Filme zu machen versteht.
„Wir haben es, Dank unseres Kameramanns Denis Carbone geschafft, die Aufnahmen zu machen, ohne auf Original-Fernsehmaterial zurückgreifen zu müssen. Für Kriegsfilm, Western, Teleshopping, News, Heimatfilm und weitere zehn Fernsehmomente haben wir nur einen Drehtag gebraucht, da sieht man mal, was uns für eine Scheiße im TV geboten wird! Ranitzki hatte recht!“ so der Regisseur.
Manchmal kann man sich nicht entscheiden, ob man dem Geschehen am Monitor oder auf der Bühne folgen soll, aber irgendwie passt dann doch alles zusammen.
Anja Kimmelmann als einzige Frau im Ensemble kann sich behaupten, Chistoph Stein und Jonathan Doyle sind erbitterte Gegenspieler, denen man jede Lüge abnimmt.
Alles in allem ein schöner Abend, bei dem keine echten Goldfische sterben mussten: „Die Regisseurin, die das Stück zuerst inszenieren sollte, dann absprang, wollte wirkliche Fische an die Wand nageln lassen- das finde ich pervers und dämlich! Die Begründung, sie wolle das „Gefühl“ bei den Darstellern authentischer erzeugen, halte ich für noch hirnrissiger- hoffe, dass diese Frau niemals Bartsch, Kindermörder oder ähnliches inszeniert!“ so Fitz van Thom über seine Regievorgängerin. „Unsere täuschend echten Goldfische habe ich aus einer einzigen Bio-Möhre geschnitzt!“ fügt er schmunzelnd hinzu.
Fitz van Thom arbeitet derzeit an der Umsetzung seines Drehbuchs „Freundschaft!“

NK

„Goldfischen“, Jan Neuman
Theaterstück
Tanzhaus West, Frankfurt/M.

Mit freundlicher Unterstützung von:
Landungsbrücken Frankfurt, Tanzhaus West, PHANTOM PRODUKTION, Heiner Produktion, Amt für Wissenschaft und Kunst Frankfurt