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Mission Impossible IV – Phantom Protokoll

Original: „Mission Impossible – Ghost Protocol“, USA 2011, Paramount Pictures; Regie: Brad Bird; Mit: Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Paula Patton, Michael Nyqvist u.a. / PHANTOM RATING: 6/10

Ein typischer MI-Streifen.
Es gibt Super-Stunts, Super-Action und Super-Bösewichte, die natürlich Atomwaffencodes besitzen, mies gelaunt und russische Staatsbürger sind.
Und es gibt Ethan Hunt, der alles wieder ins Lot bringt…

Ethan Hunt (Tom Cruise) muss mal wieder kurz die Welt zu retten.
Und da hat er einiges zu tun.
Denn leider oder besser zum Glück für die Macher von „Mission Impossible- Phantom Protokoll“ gibt es sehr, sehr viele Bösewichte, die andauernd immer irgendwo aus großer Höhe herunterfallen oder sonstwie spektakulär sterben müssen. Die Zahl ist derart  unübersichtlich- noch einer und noch einer und das geht einem irgendwann gewaltig auf den Sack.
Genauso ist es eben auch mit der Action- keine schlechte Action- wirklich, alles extrem ästhetisch inszeniert, Slow-Motion-Massaker- so bombastisch wie ungerade Beethoven-Symphonien und wahre Hammer-Stunts. Aber irgendwann empfindet man das alles als zu anstrengend- es ist zu überladen, zuviel.
Während man noch dem coolen Sprung von Tom Cruise oder dem explodierenden Kreml nachsinnt, haut einem der Film schon die nächste Wumme um die Ohren und dann, genau dann merkt man, was einen wirklich stört:
Es ist zu glatt. Einfach zu durchgestylt, zu berechnet, zu greenscreenig- eben wie Beethoven-Symphonien auf einem Synthesizer. Es fällt schwer der Story zu folgen, weil irgendwann der Focus gesplittet, die Konzentration zersplittert und das Interesse an ihr splattappert.
Tom Cruise sieht gut aus, er ist durchtrainiert und man sieht ihm seine fast fünfzig Lenze auch im Gesicht nicht an. Der Rhytmus des Films gibt ihm vor, wie er sich zu bewegen hat: Lola Tom rennt. Eigentlich fast immer.
Er rennt vor Explosionen weg, er rennt Schurken hinterher, er rennt gegen einen Countdown- dann plötzlich schreitet er mal wieder, weil er sich ja Mission-Impossible-mäßig verkleidet hat, die Verkleidung fliegt auf und:
Tom rennt.
Soviel wie Tom Cruise rennt, wirkt der ganze Film wie eine einzige Anti-Raucher Kampagne oder eine schmerzliche Erinnerung daran, wie es um die eigene Fitness bestellt ist.
Bei seinem Auftrag wird Agent Hunt von einem schlagkräftigen IMF-Team unterstützt, bestehend aus dem quasseligen Technikfeak Benji Dunn (Simon Pegg) , der kampferprobten, rassigen Agentin Jane Carter (Paula Patton) und  dem geheimnisvollen Analysten Brandt (Jeremy Renner) haha Renner! Entschuldigung. Renner ist im wirklichen Leben fast zehn Jahre jünger als Cruise, im Film wirkt es aber, als wären beide mindestens gleich alt.

"Mission Impossible - Phantom Protokoll" / FOTO: Paramount Pictures

Einigen Cineasten werden im Actiontumult auch Elemente aus Tom’s früherem Film „Minority Report“ (USA 2002) auffallen, wie etwa der durchsichtige gestengesteuerte Computer-Monitor, Tom’s Kapuzenversteckspiel oder die Action mit Maschinen in einer Autofabrik.

Das der russische Agent Sidorov (lieb), der Ethan Hunt (lieb) erst den ganzen Film nach dem Kremlanschlag verfolgt, weil er Hunt (lieb) für böse hält und dann am Ende mit nur einem Blick merkt, das Hunt (lieb) lieb ist, und der böse Atomcodeklauer Kurt Hendricks (böse) böse ist und neben Hunt (lieb) halbtot auf dem Boden liegt, wirkt ein wenig übereilt, weil wohl die ganze Screenzeit für Knall-Puff draufgegangen ist.
Bösewicht Hendricks wird gespielt vom zwei Jahre älteren- im Film aber zwanzig Jahre älter wirkendem Michael Nyqvist. Besagter Agent Sidorov wird von Vladimir Mashkov verkörpert.
Die Bombe wird – zeitlich natürlich mal wieder arschknapp bemessen- entschärft und die Welt geht nicht unter. Danke! Mission erfüllt!             RD11

„Mission Impossible – Phantom Protokoll“; USA 2011, Paramount Pictures; Regie: Brad Bird; Mit: Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Paula Patton, Michael Nyqvist, Vladimir  Mashkov, Samuli Edelmann, Ivan Shvedoff, Anil Kapoor, Léa Seydoux, Josh Holloway, Pavel Kris, Miraj Grbic, Ilia Volok, Goran Navojec, Pavel Bezdek u.v.a.

plot point

Film, Deutschland 2010 *R: Yehonatan Richter-Levin; *Stuntchoreographie: Fitz van Thom;  *Mit: Thomas Georgiagis, Günther Henne, Jos Diegel, u.v.a

Im Film „Plot Point“ von Yehonatan Richter-Levin geht es um einen ausgebrannten Künstler (Thomas Georgiagis) und einen blockierten Filmemacher (Günther Henne), die erst bei gemeinsamen „Unternehmungen“ wieder neue Energie für ihr Schaffen schöpfen… .

„plot point“ d 2010, r: yehonatan richter-levin; stuntchoreographie: fitz van thom;  mit: thomas georgiagis, günther henne, jos diegel, u.v.a

Marlaine aka Haike B. im Interview

(ESSEN) Die Schauspielerin, Sängerin und Stuntfrau Haike Bodden aka Marlaine überlebte am vergangenen Samstag nur knapp einen schweren Unfall. Während der „Crazy Action Stunt Show“ im Movie Park Germany war sie wegen eines Problems mit einem Sicherheitsseil zwölf Meter Richtung Asphalt gestürzt und brach sich beim Aufprall mehrere Knochen. Derzeit werden ihre Verletzungen noch im Klinikum Essen behandelt, aber Marlaine blickt schon wieder vollkommen optimistisch in die Zukunft.
Fitz van Thom sprach mit seiner Kollegin im Krankenhaus.

Wie lange übst du deine Berufe schon aus?                      
Seit meinem Studienbeginn vor 6 Jahren.

Was ist im allgemeinen das Schönste an deinem Beruf?
Gute Frage, ich denke, mit dem Körper – ob nun durch Gesang, Tanz oder Schauspiel seine Emotionen rauszulassen und Menschen damit zu berühren…. Auf der Bühne ist alles erlaubt, was im „normalen“ Leben „weird“ ist – du kannst und musst sogar die Sau rauslassen – das ist immer wieder neu und total befreiend. Und man „spielt“ tatsächlich -auch miteinander, ein Vergnügen auf das viele als Erwachsene leider verzichten.

FOTO: Marlaine

Was war das allerschönste Erlebnis in deinem Beruf?
Ein spontaner Gesangsauftritt auf einem Beachhandballturnier in Leverkusen; eternal Flame, den ersten Satz gesungen und die ganze Halle war wie elektrisiert! Unglaublich, diese Stimmung und überwältigende Begeisterung! Das werde ich nie vergessen!

Was war das allerschlimmste Erlebnis in deinem Beruf?
Der letzte Samstag! Mein Absturz! Also sowas möchte ich auf keinen Fall nochmal erleben!

Was war passiert?
Ich sollte an einem Rollschlitten hängend, über ein Drahtseil von einem Haus zum anderen schwingen. Slide for Life bzw Flying Fox nennt man das. Eigentlich einer der einfacheren Stunts, also hatte ich nie Angst dabei. Doch plötzlich hat sich das Sicherungskabel in den Rollen verfangen und diese erst verlangsamt, dann aber vollständig blockiert. Ich hing fest!

War dir, als du da oben hingst, klar, das dein Absturz unausweichlich bevor steht oder hast du noch auf ein Wunder gehofft?

Nein ich dachte erst, dass ich mich lange genug festhalten könnte bis das Problem behoben wäre. Dann geriet ich in Panik, aber mein Kollege Aidan rief mir zu: „Don’t cry!“ und da bin ich dann irgendwie ganz ruhig geworden. Hab mich ganz ruhig aufs Festhalten konzentriert und mich irgendwie auch völlig auf meine Kollegen verlassen, ich hörte Aidan die Kommandos schreien, ich sah Ocean mit den Matten hantieren….

Marlaine hatte riesengroßes Glück. FOTO: Haike Bodden

Als du gesehen hast, das dein Kollege und Lebensretter Ocean deinen Aufprall vorbereitete, was ging dir da durch den Kopf?
Wie gesagt, meine Gedanken waren hauptsächlich im Stil von:  „Okay, die Jungs regeln das schon irgendwie…! Meine Jungs sind Helden, my guys are heros!“

Es war eine „overgave aan de situatie“, etwas, dass ich eigentlich öfter im Leben mache… wenn auch sonst im positiveren Sinne. Mir war irgendwie klar, dass ich der Situation ausgeliefert bin und selber nicht viel ausrichten kann… So hab ich mich der Situation „hingegeben“ und mich drauf verlassen, dass es irgendwie alles „gelöst“ wird.

Doch dann begann ich allmählich abzurutschen…

Ich weiss noch, dass mich das total überrascht hat und ich dachte: „Im Film haben die doch in solchen Situationen immer noch auf einmal Kraft von irgendwoher, um sich dann doch nochmal hochzuhangeln, wieso geht das jetzt nicht?“ und dann brach die volle Panik in mir aus und ich hörte mich meine Jungs anschreien, dass sie JETZT etwas tun müssten, weil ich mich nicht mehr lange halten könne…

Dann rutschte ich vollends ab, habe noch versucht mich höher am Griff festzuhalten aber das war ein Griff ins Leere – das hat mich vor allem überrascht!

Gedanken wie: “ Jetzt sterbe ich!“ oder dass mein Leben wie ein Film an mir vorbei zieht, habe ich nicht gehabt. Oder zumindest kann ich mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht dran erinnern.
Ich erinnere mich nur an die erste Millisekunde von meinem Absturz…
                                                                                                                                                                                 
Dieses Video zeigt den Absturz der Stuntfrau, wenn Sie dieses aus nachvollziehbaren Gründen nicht sehen möchten, scrollen Sie einfach weiter nach unten und lesen die Fortsetzung des Interviews…

             

Wann bist du wieder zu dir gekommen?                          
Als ich auf dem Boden lag, irgendwelche Sanitäter an mir rumfummelten…
Ich glaub ich habe ziemlich rumgebrüllt, wegen der Schmerzen, dann aber Bernd und Aidan gesehen, die beruhigend auf mich eingeredet haben und das hat mir Kraft gegeben.                                                      

Würdest du genau diesen Stunt noch einmal machen- also jetzt nicht gleich morgen, aber zu einem späteren Zeitpunkt?      
Ich denke, das muss nicht unbedingt sein.
Obwohl ich glaube, dass ich es könnte, wenn ich wirklich müsste- aber man sollte vielleicht auch sein Schicksal nicht unbedingt herausfordern…          

Wachst du manchmal nachts auf, weil du vom Fall träumst?                              
Bis jetzt noch nicht- ich wundere mich sowieso dass ich diesen Unfall so gut wegstecke.
Vielleicht kommt der grosse Schlag und das grosse Geheule ja später noch, aber bisher bin ich vor allem erleichtert und dankbar dass es „nur“ die Arme sind und blicke total positiv in die Zukunft.                                             

Was siehst du in dieser Zukunft?
Ich möchte mich jetzt auf meine Gesangskarriere konzentrieren und hoffe natürlich, damit Erfolg zu haben- drückt mir die Daumen! Viva la vida!


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