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In Time – Ein Film für die 99 Prozent

„In Time- Deine Zeit läuft ab“, USA 2011 mit Justin Timberlake, Amanda Seyfried, Cillian Murphy, u.a. / PHANTOM RATING: 9/10

Ein kapitalismuskritischer Film der Hollywood-Wilden? Ein Aufruf der Occupy-Bewegung? Auf jeden Fall ein beeindruckend treffendes Werk über die Herrschaft des Geldes: Just in Time (berlake) zur Weltwirtschaftskrise kommt ein Film in die Kinos, der die Dekadenz der herrschenden Kaste aufs Korn nimmt und eine gerechtere Verteilung der Ressourcen fordert. 

TRAILER: „In Time- Deine Zeit läuft ab“, USA 2011 mit Justin Timberlake, Amanda Seyfried, Cillian Murphy, u.a.

„Ich hab keine Zeit… Zeit ist jetzt unsere Währung. Wir arbeiten dafür und  bezahlen damit. Die Reichen können ewig leben- und der Rest von uns?              Ich will einfach nur mal mit mehr Zeit auf der Uhr aufwachen, als der Tag Stunden hat!“ So beginnt der Will Salas (Justin Timberlake)  seine Geschichte zu erzählen und berichtet von einer Zukunft, die keiner wollen kann…

Der Film vom Regisseur und Drehbuchautor Andrew Niccol kritisiert jene grausame Seite des Kapitalismus, nach der die Währungsressourcen zwischen arm und reich ungleichmäßig verteilt sind. Nur das die Währung in naher Zukunft eben Zeit ist und die Unterprivilegierten ständig gegen eine Richtung Null laufende Uhr kämpfen und arbeiten müssen, während die Reichen gern mit Tausend oder mehr Jahren auf ihrer, in den Körper gepflanzten „Lebensuhr“ herumlaufen. Die Menschen sind gentechnisch so manipuliert, dass sie nicht mehr altern und so wird, automatisch- um eine Überbevölkerung zu vermeiden- mit dem Eintritt ins fünfundzwanzigste Lebensjahr die Uhr unter ihrer Haut aktiviert, die rückwärts läuft, um die Sekunde des Todes ihres Trägers anzuzeigen. Nach Aktivierung des Countdowns bleiben dem Inhaber der Uhr noch ein paar Monate, die er verschwenden oder mehren kann.

Die Stelle, an welcher die dreizehnstellige Zahlenabfolge zu scannen ist, erinnert an die Tätowierung der Häftlingszahl im Konzentrationslager- die digitale Zahl, die sich unaufhörlich Richtung Null bewegt, findet sich am Unterarm und ist Zeit- und Lebensmesser.

„In Time“, USA 2011 20th Century Fox  * FOTO: 20th Century Fox

Den Vermögenden, die in einer entschleunigten, entspannten „Zeitzone“ leben dürfen, ist durchaus klar, dass sie ihren Luxus den Arbeitsrobotern, jenen Menschen die sich schnell und effizient bewegen und für jede Minute Lebenszeit schwer arbeiten müssen, zu verdanken haben. Bezahlt wird per Scanner- ein Kaffee kostet eben vier Minuten, eine Taxifahrt in die nächste Zeitzone ein paar Monate und es wird im Handumdrehen abgebucht. Zig geflügelte Worte bekommen plötzlich einen greifbareren Sinn. Von: Mir wurde Zeit gestohlen! bis: Ich habe (beim Pokern) Zeit gewonnen.

Der Stil des Streifens wirkt sehr klassisch, beinahe Film noir-mäßig, was sich  unter anderem in den Klamotten, Häusern und Autos der Figuren widerspiegelt. Viele Lösungsansätze scheinen direkt von der Occupy-Bewegung übernommen worden zu sein- bedingungsloses Grundeinkommen, gerechtere Verteilung des (Zeit)kapitals und die Forderung nach besserer Kontrolle der Großbanken.

Will Salas (Justin Timberlake) kommt aus der unteren Schicht und lebt im sogenannten Ghetto, einer Zeitzone, in der man schon für ein paar Minuten ausgeraubt werden kann und für jede Lebensminute schwer gearbeitet werden muss. Seine Robin Hood-Ader lässt ihn die wenige Zeit, die er hat, trotzdem immer mit anderen teilen. Er beschließt die oberen Zehntausend zu bestehlen, um eine sozialere Verteilung zu organisieren und dem ungerechten Sterben ein Ende zu bereiten. Der Film ist gespickt mit Film und Philosophie-Zitaten – das  Bonnie und Clyde-Thema kommt genauso vor, wie Anspielungen auf Romeo und Julia, Lola rennt, Metropolis und vielen anderen Meilensteinen der Film- und Theatergeschichte.

in time - justin timberlake, amanda seyfried

Stillstand ist der Tod… Justin Timberlake und Amanda Seyfried in „In Time“, 2011  FOTO:  20th Century Fox

Das Heuschrecken-System des Kapitals bricht zusammen, als Will Salas Teilen, Verzicht und Humanität vorlebt, sogar einem „Timekeeper“ (Cillian Murphy), der eigentlich sein erbitterter Gegenspieler ist- Lebenszeit schenkt. Als auch das nicht hilft, Menschlichkeit in die Beamtenhirne zu pflanzen, muss er halt auch einige Verteidiger des alten Systems „nullen“- im Namen der Menschlichkeit, versteht sich… .

Das Sänger Justin Timberlake hier den Part des Protagonisten übernimmt, tut dem Film keinen Abbruch, wenn man sich allerdings vor Augen führt, dass Popmusiker Timberlake selbst zu den Spitzenverdienern des Showbusiness gehört, kann man nur hoffen, dass dieser auch nur einen Bruchteil der sozialen Empathie seiner Figur besitzt.                                                                  FVT 11

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„In Time- Deine Zeit läuft ab“, USA 2011, 20th Century Fox;  mit Justin Timberlake, Amanda Seyfried, Cillian Murphy, u.a. (KINOSTART: 01.12.2011)