Archiv der Kategorie: Nachruf

Der Tod und die Medien

…aber es ist keine Zeitmaschine… Gedanken anlässlich des Todes von Maria Kwiatkowsky.
 

In unserer heutigen Welt bekommt man schon beim Frühstück serviert, wer heute Nacht von der Welt der Lebenden zur Welt der Toten gewechselt hat. Spiegel online, Stern online, Bild online und hunderte andere Nachrichtenmagazine bedrängen uns mit Einzelheiten- egal ab wahr oder unwahr-

Maria Kwiatkowski (Foto ihrer FB-Seite)

Hauptsache just in time. Wer zu spät kommt, wenn jemand sein Leben hinter sich lässt, den bestraft das Leben- und ist halt kein News-Magazin. Die digitale Welt ist schnell, das Leben auch- Zack, zack, ums Layout kümmern wir uns später! Ryan Dunn, Peter Falk, Knut – die Meldung muss raus! Zack!

Bei der – leider viel zu früh – gestorbenen Schauspielerin Maria Kwiatkowsky überschlagen sich die einschlägigen Magazine auch- mit Mutmaßungen, mit vermeintlichen Einblicken in Marias Seele und eben dieser Schnelle. Zack, zack, zack- Gunter Sachs- erledigt, ausgenewt- wir brauchen mehr Stuff. Aber auf der Facebookseite von Maria Kwiatkowsky findet man nach den zahlreichen Kondolenzkommentaren, die sich aus einer Mischung aus: „…ich kannte sie total gut…“ und echter Bestürzung zusammensetzen, auch ihren letzten persönlichen Eintrag vom 1. Juli: „Wer is in Köln????? Ich hab Langeweile!!!“ –  Man möchte ihren Status mit „Pass auf dich auf, bleib in Köln – sonst bist du in drei Tagen tot!“ kommentieren, weil man jetzt schon weiß, dass eine wirklich gute Schauspielerin und ein sicherlich guter Mensch am 4. Juli sterben wird- aber es ist zu spät. Schnell ist das Internet, aber es ist keine Zeitmaschine, der Maria zurückbringen wird- bestenfalls ein Zeitvernichter für all jene, die sich stundenlang am Tag damit beschäftigen (ich nehme mich selbst nicht aus).  Deshalb sollte man jede einzelne reale Sekunde genießen, denn die Zeit rast an uns vorbei. Komm gut an, Maria!

Fitz van Thom